Bemerkenswert

Über Lebenskrisen und Videospiele

2019 war ein sehr durchwachsenes Jahr für mich. Genau vor 12 Monaten habe ich mich gerade auf meine Abiturprüfungen vorbereitet. Ich war voll von Vorfreude, endlich das hinter mir zu lassen. Gleichzeitig war da aber auch eine gewisse Melancholie. Schließlich geht damit das erste große Kapitel im Leben zu Ende. Danach wird alles anders, alte Freunde verstreuen sich im ganzen Land um ihr erwachsenes Leben zu beginnen und ich tue es ihnen gleich. Das ist vielleicht erstmal auch etwas traurig, doch auch ein tolles Gefühl, denn schließlich ist es ja das Ziel, auf das man immer hingearbeitet hat. Das, was man eigentlich immer wollte. Und dann steht man da, auf der Bühne. All die harte Arbeit, all die Jahre steuerten hierauf zu. Man bekommt den lang ersehnten Wisch in die Hand gedrückt, schaut sich um und weiß, dass man all diese Gesichter ab morgen nicht mehr täglich sehen wird. Manche vielleicht nie wieder. Weiterlesen „Über Lebenskrisen und Videospiele“

Northbound und die Sinnlosigkeit der Nostalgie

Habe bei Spielkritik ein bisschen das kurze, sehr gute Northbound geschrieben.

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Der 300. Beitrag bei SPIELKRITIK.

Kurze Info: In diesem Text behandle und spoilere Northbound – Long Road Ahead, das ihr komplett kostenfrei auf Itch.io herunterladen könnt. Es beansprucht gerade mal eine halbe Stunde eurer Zeit und ist sehr zu empfehlen! Falls es euch gefällt, überlegt ebenfalls, den Entwicklern eine kleine Spende zukommen zu lassen. Sie arbeiten momentan an einer längeren, neuen Version des Spiels.


Es gibt mittlerweile eine ganze Menge an Videospielen, die es sich zum Ziel gemacht haben, mich als Spieler vielmehr zu entspannen als mit einer Fülle von Aufgaben zu stressen. Das sind meistens kleinere Titel, die mir durch ihre Ästhetik, ihren Soundtrack oder ganz allgemein durch ihre ruhige Ausstrahlung ein vollkommen positives Gefühl vermitteln und damit genau das geben, was ich in meinem Eskapismus von der kalten Realität suche. Stardew Valley oder Islanders fallen mir da sofort…

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Blog | Woran Mirror’s Edge Catalyst scheiterte

Habe bei spielkritik.com kurz meine Gedanken zu dem Reboot von Mirror’s Edge niedergeschrieben.

SPIELKRITIK.com

Mirror’s Edge ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Dementsprechend freudig stimmte mich die Ankündigung von Mirror’s Edge Catalyst, dem Reboot, welches acht Jahre nach dem Original erschien. Nach der Veröffentlichung machte sich aber sehr schnell Ernüchterung breit: Das Gefühl, das mir das erste Spiel gab, fand ich nicht mehr wieder. Es folgt eine Abhandlung über funktionierende Spielsysteme und was Reboots nicht falsch machen sollten.

In Mirror’s Edge dreht sich alles um die Protagonistin Faith, die in einem totalitären Überwachungsstaat als sogenannte Runnerin arbeitet. Runner sind quasi Boten, die an der Grenze zur Legalität arbeiten und unter dem Radar der Regierung Informationen übermitteln – und zwar möglichst schnell. Zugegebenermaßen ist die Geschichte von Mirror’s Edge eher ein Mittel zum Zweck, obgleich die Welt durchaus auch damals schon mein Interesse weckte. In einzelnen Missionen, unterbrochen von Cutscenes im Comic-Stil, gilt es nun, einerseits Pakete zu überliefern und andererseits geheime Machenschaften der Regierung aufzudecken…

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Das Mysterium des Unknown Developer – Eine Online-Community auf Schnitzeljagd

Seit letztem Jahr organisiert sich im Netz eine Community, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Mysterium um den sogenannten „Unknown Developer“ und dessen veröffentlichte, kryptische Spiele zu lösen. Für diesen Artikel bei Spielkritik.com habe ich mit ein paar der Menschen innerhalb der Community gesprochen und bin etwas in den Kaninchenbau gewandert.
Vielen Dank fürs Lesen!

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Auf einem Abstecher in so manch obskure Itchio-Nischen entdeckte ich vor einiger Zeit ein äußerst merkwürdiges, verstörendes aber zugleich hochinteressantes Spiel mit dem Titel Don’t Play This Game. Die bedrohlich wirkende Itchio-Seite versprach mir, dass dieser Titel „Dinge über mich offenbaren“ könne und dass man es auf keinen Fall spielen solle, gab jedoch an keiner Stelle Aufschluss über das eigentliche Gameplay. Interessiert, musste ich es natürlich einmal ausprobieren. Was mich erwartete, konnte man kaum noch als „Spiel“ bezeichnen:

Der Titelbildschirm bestand aus dunklen Bäumen im Hintergrund, sowie einer unsinnigen Zeichenfolge. Wenn ich L zum Zuhören drückte, erschienen scheinbar zufällig ausgewählte Buchstaben. Währenddessen ertönte eine Stimme, die zwar Englisch sprach, aber immer wieder Wörter benutzte, die ich nicht richtig verstehen konnte. Am Ende wurde mir ein Punktestand präsentiert: 232/780.

Ich war extrem verwirrt und verstört. Genauso wie viele andere NutzerInnen, die sich fragten, was es mit diesem Spiel auf sich…

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Starforge, CodeHatch und wieso wir eine Steam-Filterung brauchen

Für Spielkritik habe ich mich mit der nichtvorhandenen Filterung der Spiele auf Steam und der Entwicklungsgeschichte von Starforge auseinandergesetzt. Inklusive Interview mit dem Kopf von ‚Sentinels of the Store‘!

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Schon lange stand der exponentielle Anstieg der Gesamtzahl der Erscheinungen, der fragwürdige Inhalt sowie die Qualität vieler Steam-Neuerscheinungen in der Kritik. Am 6. Juni 2018 passierte schließlich das, was sich viele SpielerInnen sowie JournalistInnen erhofft hatten: Valve selbst meldete sich endlich zu Wort zum Thema Filterung der Spiele, die auf ihrer Vertriebsplattform Steam erscheinen.


Um die erwähnte Kritik nachzuvollziehen, genügt schon ein Blick in irgendeine Kategorie Steams: Unter dem Tab „New and Trending“ lassen sich die Abgründe der Plattform leicht ausmachen: Unter dem Tab „New and Trending“ lassen sich die Abgründe der Plattform erblicken: Angefangen bei den bereits viel diskutierten Asset-Flips bis hin zu solchen tollen Perlen wie „Achievement Lurker: Another one bites the Dust“, welches ich innerhalb von ein paar Minuten auffinden konnte. Dieser, mit Standard-Assets vom RPG-Maker erstellte Titel hat offensichtlich allein das Ziel, den Käufern so viele Errungenschaften wie möglich für ihr Steam-Profil zu verschaffen. Davon…

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Die unbequemen Fragen von The Red Strings Club

The Red Strings Club regte mich stark zum Nachdenken an. Über die Fragen, die das Spiel mir entgegenwirft, habe ich diesen Beitrag verfasst, der bei Spielkritik erschien.

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Viele Videospiele vermeiden es, den Spieler aus seiner sicheren Zone zu drängen und mit ethischen Fragestellungen zu konfrontieren. The Red Strings Club tut dies nicht: Dieses Spiel zielt regelrecht darauf ab, mich ins Grübeln zu bringen.


Wichtiger Hinweis: In diesem Text geht es unter anderem auch um Suizid und Depression.

Meiner Meinung nach sind die Stärken des Science-Fiction-Genres nicht unbedingt riesige Mechas oder Weltraumschlachten, sondern die Momente, in denen in  gewisser Hinsicht philosophische Fragen im Kontext einer Zukunftsvision aufgeworfen werden. Gerade deswegen mag ich Filme wie Ghost in the Shell oder Blade Runner so gerne: Sie nutzen ihr Zukunftsszenario sowie ihre Geschichten, um dem Zuschauer Fragen nach der Menschlichkeit entgegenzubringen. Bei Videospielen wirkt das auf mich durch den höheren Grad der Immersion und dem aktiven Teilhaben am Geschehen noch wesentlich intensiver: So steuere ich etwa in Soma die zentrale Figur, die ihren eigenen Ursprung sowie die menschliche Wahrnehmung in Frage…

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This Strange Realm Of Mine und die Darstellung Sozialer Angst

„This Strange Realm Of Mine“ ist das vierte Spiel des Solo Entwicklers Doomgriever und, wie der Name schon vermuten lässt, ziemlich strange. In diesem pixeligen First Person Shooter muss ich nämlich nicht um mein Leben kämpfen, denn ich bin bereits tot. Als „Lost Soul“ betrete ich das Leben nach dem Tod, hier: eine kleine, anfangs leere, heimelige Taverne inmitten einer Schneelandschaft. Ulrich, der Besitzer, der gerne in Rätseln spricht, erläutert mir Teile meiner Situation und schickt mich von fortan durch verschieden Level (oder Realms), die alle einen gewissen Teil des vorherigen Lebens thematisieren. Die Level, die ich durchstreifen darf, bestehen zum größten Teil aus soliden Shooter Einlagen in Retro-Manier, oft sehr leichten Puzzles und viel Erkundung der jeweiligen Spielwelt. Dabei fühlt sich jedes Level wie eine kleine Kurzgeschichte an, die von Horror-Elementen sowie Surrealität gespickt ist.  Viele meiner Touren durch die Realms, aus denen Charaktere mit in die Taverne eingeladen werden können, werfen Fragen nach dem Sinn des Lebens oder anderen philosophisch hochgesteckten Themen durch immer wieder eingeschobene Lyrik auf. Dabei verliert mich This Strange Realm Of Mine leider ab und an auch mal, wenn ein Charakter beispielsweise eine zu lang geratene Abhandlung über den Unterschied zwischen Leben und Tod hält. An anderen Stellen sind die Texte der Charaktere aber wiederum unglaublich lebensnah geschrieben. Hier schreckt Realm auch nie vor unangenehmen Themen zurück: In einem Level namens „Current Events“ treffe ich zum Beispiel auf Pistil, die scheinbar mit Depressionen zu kämpfen hat. Erfahren tue ich das im Dialog, in dem sie sich über ihren Zustand öffnet, nachdem ich sie ermutige und verischere, dass sie mit mir darüber sprechen kann.

Pistil redet offen über ihre Depressionen.

Der Entwickler Wildemar Doomgriever geht auf seinem Blog sehr offen mit seinen eigenen psychischen Erkrankungen um: Er ist ein hochfunktionaler Autist, leidet unter Angststörungen und seit seiner Kindheit auch unter chronischen Depressionen. Viele seiner eigenen Erfahrungen sowie seiner Gedanken über „den Tod, das Leben, soziale Angst [und] Ähnlichem“[1] sind in This Strange Realm Of Mine eingeflossen.
Auch wenn der Titel meiner Meinung nach an einigen Stellen, was zum Beispiel manche Shooter-Mechaniken angeht, relativ durchmischt ist, hat Realm aber auch extreme Höhen, in denen es mit seiner Darstellung der Thematik brilliert. Um das einmal näher zu veranschaulichen, würde ich gerne kurz im Detail auf den Level „Confronting Discomfort“ eingehen. Weiterlesen „This Strange Realm Of Mine und die Darstellung Sozialer Angst“